Schlomos Feuilleton #01

Schlomo freut sich über die Niederlage der CDU in NRW – auch, wenn das nicht viel ändern wird. Im Übrigen finde ich die neuen Texte zum Kotzen:

Ab heute im Schaufenster. Diese Tafel ist bis zum 12.05.2010 für 2.750,00 € frei verkäuflich. Für Fragen zur Abwicklung lesen Sie bitte hierzu die technischen Spezifikationen: (PDF) Der Name des Bildes kann als Werbeträger gemietet werden. Unterstützen Sie mit Ihrem Namen die trialogeske Sinnstiftung. Individuelle Reproduktionen und redaktionelle Nutzungsmöglichkeiten beantragen Sie bitte an unserem Servicecounter in der Rutschbahn oder per E-Mail.

Für wen formatieren wir das hier eigentlich? Für iPhone Benutzer, die sich das PDF runterladen sollen? Ein Wort wie „technische Spezifikationen“ finde ich zum Kotzen. Technische Spezifikationen von was? Von unserem Bild?!? Das kann man auch ein bisschen weniger technoid formulieren, finde ich. Ausserdem ist die Rutschbahn 11 kein „Servicecounter“ – auch, wenn das vielleicht ein guter Witz ist. Wozu soll jemand denken, da gäbe es einen „Servicecounter“? Was ist „trialogische Sinnstiftung“, und wieso unterstützt jemand diese, wenn das Bild hinterher „Nazi-Konzern-Bild“ heißt? Inhaltlich ist das ja alles in Ordnung. Aber die Wortwahl entspricht nicht im geringsten unserem Nivaeu.

Mosche erzählte mir, Peter Pan hätte unser Abend zu einem Bild inspiriert – nun, das würde ich sehr gern mal sehen.

Ansonsten verändern wir die Welt, indem wir zusammen sind im wirklichen Leben, und versuchen, miteinander zu sprechen und miteinander zu gestalten. Ohne einen digitalen Filter zwischen Sender und Empfänger, oder zwischen uns und dem Werk, sondern direkt, von Gehirn zu Gehirn. Genau das ist der Kern des Trialoges. Es gibt auf der Welt ca. 8Mrd. (mehr? weniger?) Gehirne, die wie wir unsere Welt verarbeiten, auf eine Weise, wie sie Computer in vielleicht 20 Jahren virtuell simulieren könnten – für ein Gehirn. Wir haben aber 8 Mrd. davon! Das Gehirn sollte dem Computer den Krieg erklären, und genau das tun wir auch, mit dem Verzicht auf kommunikative Technologie – ausser, als Informationsteppich, als unsere Umwelt – während unserer Abende, und dem Versuch, uns direkt zu verstehen, und keine Simulationen von uns. Das hat etwas sehr ursprüngliches, und wir fühlen uns wie steinzeitliche Höhlenbewohner, die aus dem Höleneingang misstrauisch ihre Umgebung betrachten, und versuchen, sie zu verstehen, und sie damit verändern. Wir leben in einer zunehmend virtuellen Welt, in der sich die Kreatur der Technologie unterordnen muss. Wir messen unsere Zeit im Takt der eMails, die wir am Tage beantworten – und wir sprechen dabei die ganze Zeit mit niemandem. Wir sprechen in Maschinen hinein. Und die Maschinen hören uns aufmerksam zu.

Daher ist alles, was sich hier abspielt, als bloße Dokumentation zu betrachten. Die Arbeit, die wir für die Rettung der Welt leisten, leisten wir, wenn wir gemeinsam an unserem Lagerfeuer sitzen, und zusammen ein Bild malen.

Wir denken DIES – und erzählen es einem Blog.

Schlomo im Mai 2010

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4 Kommentare zu Schlomos Feuilleton #01

  1. Ghost Rider sagt:

    …wir sprechen dabei die ganze Zeit mit niemandem. Wir sprechen in Maschinen hinein. Und die Maschinen hören uns aufmerksam zu.

    Naja, wir sprechen schon in die Maschine rein.. und sprechen insofern erstmal mit niemandem. Nun kommt eine Antwort auf deinen Beitrag und Du hast also zu mir gesprochen. Nun spreche ich in die Maschine rein und bin mir sehr sicher, dass du es auch lesen wirst. … also sprechen wir miteinander.

    Aber andererseits es ist schon eine andere Kommunikation. Denn ich muss nicht antworten, habe es evt. trotzdem gelesen und Du weißt es nicht. Hast also zu mir gesprochen, ohne es zu wissen. Oder ich antworte einfach nicht auf eine mail usw., breche das Gespräch einfach ab. Ohne zu schreiben, dass ich es abbrechen möchte und ohne Dir Gelegenheit zu geben, es doch fortzuführen/zu einem Abschluss zu bringen/… .

    Ist es bei Briefen anders?

    Platon spricht sich in seinem Dialog Phaidros gegen die Verschriftlichung von Gedanken(oder Ideen, philosophischen Ansichten?) aus.. Ein Text kann sich nicht gegen Angriffe wehren, ist – einmal geschrieben – niemals mehr so aktuell, wie zu dem Zeitpunkt des Schreibens (Jahre später sieht man alles ganz anders) usw. usw.

    Diese Schriftkritik hat etwas. Vor allem, wenn man sie auf heutige Zeiten und eine veränderte Mediensituation bezieht, wie es der Zusammenfasser im eben genannten Text tut.

    Ich denke, es muss sich ja nicht ausschließen. Ein Plädoyer für echte Gespräche würde ich sofort unterschreiben. Aber vielleicht führen wir ja demnächst eines über diesen Schriftwechel.

    Kann man mal drüber nachdenken.

    Ghost Rider

  2. Schlomo sagt:

    Wir müssen unterscheiden, zwischen „Sprache“ und „Schrift“. Schrift ist nur kodierte Sprache. Zum Sprechen gehört immer der Sprecher dazu. Daher ist der Vorgang, sich hier schriftlich auszutauschen ein qualitativ anderer, als der des gemeinsamen Gesprächs. Im Gegensatz zum Brief, der im Prinzip nur aus eben diesem „Sprach-Code“ besteht, und physisch begrenzt ist, ist wiederum die Abstraktion des Briefes in eine Abfolge von Bits nicht mehr an eine physische Welt gebunden. Die Kommunikation erfolgt technisch, über einen in die Maschine implementierten Code. Das heißt, jedes mal, wenn wir einen Buchstaben in den Computer tippen, digitalisieren wir einen Gegenstand der physischen Welt (den Buchstaben), in die kybernetische Welt. Auf diese Weise wird die physische Welt maschinenlesbar, und unsere Rolle ist auf die eines Sensors beschränkt, einer Ameise, die die Struktur mit Wissen über die Welt füttert.

    Natürlich haben wir das Gefühl der Kommunikation mit einem Gegenüber – ich mit Dir, und der Gegenstand unserer Kommunikation ist für die Maschine völlig ohne Belang. Wichtig für die Maschine ist einzig und allein, dass die Kommunikation über sie stattfindet.

    Das meine ich damit, dass die Maschinen uns zuhören.

    Liebe Grüße, Schlomo

  3. Schlomo sagt:

    „Oder ich antworte einfach nicht auf eine mail usw., breche das Gespräch einfach ab. Ohne zu schreiben, dass ich es abbrechen möchte und ohne Dir Gelegenheit zu geben, es doch fortzuführen/zu einem Abschluss zu bringen/… .“

    genau 🙂

    Schlomo

  4. Schlomo sagt:

    „Dank Internet, Satellitentechnik und Breitbandleitungen kann die Information heute praktisch mit Lichtgeschwindigkeit um den Globus rasen. Es gibt da eine nette Formulierung von Paul Saffo vom Institute für die Zukunft in Kalifornien. Er sagt, dass sich das Geschäft in den 80ern darum drehte, dass Menschen mit Menschen reden.

    Jetzt geht es um Maschinen, die mit Maschinen reden. Der Mensch wird überflüssig“

    http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/916564_0_9223_-interview-langfristig-wird-die-arbeit-verschwinden-.html?_skip=1

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