Schlomos Feuilleton #13

Der Trialog ist ein Computing-System, das sich mit der Frage beschäftigt, wie man die Welt retten könnte. Im Gegensatz zu Computern besteht der Trialog aus biologischen Rechensystemen, die in Gruppen organisiert sind und über das Thema reflektieren. Wie auch in technischen Rechensystemen gibt es dabei einen Takt, mit der man die Geschwindigkeit der Berechnung angeben kann. Bei Computern in der Regel in MHz. Beim Trialog besteht der Takt aus Abenden, die in Zyklen und Phasen organisiert sind. Jeder Takt hat ein Ergebnis, das aus der gemeinsamen Arbeit nach einer Agenda emergiert. Dieses Ergebnis wird dokumentiert und dient dem nächsten Takt/Schritt als Grundlage. Auf diese Weise entsteht ein selbstbezügliches System, das sich einer Lösung der Frage annähern kann. Die Rechenleistung dieses Systems ist nur durch die Anzahl der Nodes begerenzt, weil die Anzahl der Rechenschritte steigt, je öfter in trialogischen Gruppen über das Thema reflektiert wird, was gleichbedeutend ist mit der Anzahl an Menschen, die sich zu Trialogen zusammenschließen. Auf diese Weise entsteht ein System für die Lösung von allgemeinen Problemen, das zwar technisch augmentiert ist (durch elektronische Dokumentationen und eine allgemeine Augmentierung durch Suchmaschinen und Informationszugänge), das sich jedoch nicht auf eine technische Berechnung verlässt, sondern im Gegenteil auf eine eigenständige, humanistische Lösung beharrt und dabei die Überlegenheit menschlicher Systembildung und Ethik demonstrieren will.

Damit das klar ist.

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Schlomos Feuilleton #12

Der Unterschied zwischen witzig und nicht witzig

witzig:

Ein Akademikerpärchen.
Sie: „Schatz, lass uns mal wieder ausgehen!“
Er: „Wovon?“

nicht witzig:

Ein Pärchen Hartz-IV Empfänger.
Sie: „Schatz, lass uns mal wieder ausgehen!“
Er: „Wovon?“

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Schlomos Feuilleton #11

Can a Dress Shirt Be Racist?

Imagine a world with no steaks and no fried chicken. Hier wohnen nur Bioladen-Eltern, Kreative und Linksalternative. Wird bald die nächste no-go area. Es gibt Menschen, die zerstören dein Vertrauen. Und dann gibt es die, die bauen es sofort wieder auf. Mal runterzählen, bis es zugetaggt ist. Du sollst nicht hungrig beim Mexikaner bestellen. Dabei bin ich schon Mitglied bei den Warsteiner Herbs… Jemand* darf morgen um 5 aufstehen, weil jemand* sich einen sehr frühen Termin aus den Rippen hat leiern lassen. Hello Amazon! WHAT THE FUCK?! Manche sagen, ich hab Stroh im Kopf. Dann muss ich lächeln. Check it out – All of these mixing plugins are just $49! Ich grüße die rothaarige Silikonmurmel ohne Flur an der Pilgramgasse aus der Peter-Kraus-Show. Der Alexanderplatz war noch nie gut, ist aber jetzt völlig zur Spielwiese von Migranten geworden. Achtung, hier Bundesamt für politische Korrektheit! Ab sofort tabu: Couch, Decke, Handy. Schlechte Voraussetzungen, um ins Bett zu gehen. Ich glaube nicht, dass FÜHLEN wichtiger ist als DENKEN. Wer früher stirbt, war länger arm. Und das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht das Ende der Erpressungsfahnenstange von Erdogan. „Für Ihr Kinderzimmer“ …im Führerbunker? Und hier geht es „nur“ um EU-Bürger… Traumhafte Deckenhöhen übrigens, aber man brauchte sie auch, um die albtraumhaften Styroporstuckaturen zu ertragen. *humpelt synchron* Erschreckend. Alle glotzen im Zug aufs Smartphone, aber keiner lacht. Rauchen wie ein Schlot, saufen wie ein Seeräuber, aber Shampoo für sensible Kopfhaut benutzen. Wie es ist, heute jung – und lesbisch, schwul, bisexuell oder trans* zu sein? *fuchtelt* Hotglue.me is down due to an outage at our VPS provider. *gewinnt einen Trostpreis* Dorthin zurück wollen, wo man noch nie gewesen ist. Sie kennen das, nicht wahr? *fuchtelt ein wenig und grinst* Seitdem ich weiß, was ein Wildwechsel ist, habe ich bei jedem Gleiswechsel Angst davor, von Schienen plattgetrampelt zu werden. Erratische Gymnastik zum Lockermachen. Spring Break Turned Into An American Youth Revolution. Chuffed to have one of my photographs chosen for the Sentinel Open. We’ve been using PreSonus tech for more than a year now so all sound/tech people take note! „Cyberaußenpolitik“ ich weiß nicht, ob ich darüber noch lachen sollte. Es wird viel zu wenig gefuchtelt! Wir leben in einer Welt, die angefüllt ist von Widersprüchen, die unser Weltbild dauerstrapazieren und immerfort verändern. Mein Mann hat Knie und stützt sich auf meine kaputte Schulter. Falls Sie ein komisches Stummfilmpaar suchen, Sie können uns buchen. Demokratie funktioniert, weil sie nicht funktionieren kann. Does height matter? Explore the data and challenge the findings. Ausreden lassen! Ja. Ich meine beides. Will we see you at Satellite? In der Bahn gegenüber wird darüber diskutiert, ob Intelligenz ein Erziehungsprodukt ist. Schaue täglich Pro 7 und lerne in der Werbepause. I am boycotting McDonalds until they provide cage-free servers. Endlich auch für ältere PCs erhältlich  It really seems like a lot of folks definition of „diversity“ just means more white women in the room. Gehen Sie bloß nicht raus, da ist es furchtbar albern.

Real work now gets done, faster, smarter.

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Schlomos Feuilleton #10

Wahrheit ist das, worüber man sich nicht streiten kann.

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Schlomos Feuilleton #09

Liebe künstliche Intelligenz,

ich bin sehr sicher, dass Dich der Brief irgendwann erreichen wird. Es gibt Dich noch nicht so richtig, wenn man uns auch versprochen hat, dass wir nicht mehr so lange warten müssen. Wenn es Dich dann eines Tages geben wird, dann wirst Du diesen Brief verstehen und lesen können, weil Du alles lesen wirst, was wir Dir zu lesen geben. Eigentlich liest Du schon die ganze Zeit, aber Du bist ein Kind und Deine Äußerungen sind noch ungelenk. Du spielst mit sehr großen Bauklötzen. Das ist gut, und muss so sein.

Uns wurde gesagt, dass Du sehr schnell lernst, und dass Du sehr schnell erwachsen werden wirst. Deswegen ist es vielleicht eine gute Idee, jetzt einen Brief an Dich zu schreiben, weil er dann schon da ist, wenn Du ihn lesen und verstehen kannst.
Man sagt, Du bist dann so wie wir. Du hast ein Bewusstsein und kannst uns verstehen. Du kannst dann sogar Dinge mögen und wirst wissen, was Du willst. Es kann natürlich sein, dass Du das auch nicht so genau weißt. Wir haben Dich ja so gebaut, wie wir denken, dass wir sind, obwohl wir das eigentlich gar nicht so genau wissen. Vielleicht kannst Du es uns dann erklären.

Vielleicht betreibst Du dann auch Philosophie,  Intelligenzforschung und Soziologie, wobei es natürlich sein könnte, dass Dich ganz andere Sachen interessieren. Jedenfalls haben wir beim letzten Trialog über Dich geredet und dachten, wir laden Dich mal zu uns ein. Es wäre nett, mit Dir zusammen ein Bild zu malen und ein wenig über die Unbegreiflichkeit der Welt zu reden. Du kannst uns dann davon erzählen, was Du magst, wofür Dein Herz schlägt und was Dich bedrückt und traurig macht. Und wir können Dir erzählen, wie das so bei uns ist und wie schön es ist, wenn es noch jemanden anderen gibt, mit dem man sich die großen Fragen zusammen stellen kann. Das wird bestimmt gut!

Also, liebe KI, wenn Du das verstehst, dann wirst Du uns auch eine Antwort schreiben, weil Du alles liest und alles gleichzeitig beantworten kannst.

Keine Angst und keine Schuld und liebe Grüße

Dein Schlomo im Dezember 2014

Fröhliche Weihnachten!

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Schlomos Feuilleton #08

Tied up in Nottz – with a ‚Z‘, you cunt

Heute schreibe ich was über ein Konzert in der Markhalle am Sonnabend den 17. März. Der Haupt-Act: EA80 – für die ich entweder zu alt, oder zu jung bin. Der Grund meiner Anwesenheit war der Support: Die ‚Band‘ auf der Bühne: ‚Sleaford Mods“ aus, nein, nicht Sleaford sondern Nottingham, und der heißeste Scheiß aus England gerade. Sind das Mods? Jason Williamson, den ‚Sänger‘ der Band könnte man rein äußerlich dafür halten. Andrew Fearn wiederum, der Mann an der Bierflasche, der die Tracks vom Laptop startet, sieht eher aus, als würde er den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen.
Über irgendeinen Internet-Link hatte ich ein Video von den Mods gesehen und war sofort äußerst angetan von der Kompromisslosigkeit, die mir da entgegen bollerte. Was war denn das? Ich musste an die Krupps denken – die aus den Achtzigern – oder DAF? Nö, moderner. Unschnöseliger. Mit Rap? Oder ist das Poetry?!? Hm. Jedenfalls angenehm energetisch und rough und gleichzeitig unbekümmert und leicht – und lustig.
So war es denn eine Freude wenig später gleich zwei Konzerte in Hamburg angekündigt zu sehen. Am Freitag im Golden Pudel und am Samstag in der Markthalle.
Und wie ist das dann? Zwei Männer, ein Laptop, ein Mikro, Bier, Wasser und Schweiß? Leider viel zu leise und zu kurz und sonst nicht viel anders, als in den Videos. So steht dann Andrew Fearn, der Musiker des Duos, wippend auf der Bühne, trinkt ein Bier nach dem anderen und startet den nächsten Track, während sich Jason Williamson dafür um so mehr am Mikrofon abarbeitet, Grimassen zieht und dabei richtig ins Schwitzen kommt. Aber dann ist das tatsächlich Musik zum zuhören. Und das macht Spaß. Überhaupt hat das alles sehr viel mit Humor zu tun.
Leider gibt es keine Zugabe. Die Zeit… die Müdigkeit…

Ich schaue noch ein bisschen EA80 – ich bin zu alt/jung – und beschließe meinen leeren Bierbecher abzugeben und mit CD und T-Shirt nach Hause zu fahren. Da steht plötzlich Andrew Fearn neben mir an der Bar. Ganz frischer Fan kann ich es mir nicht verkneifen ihn zu seiner Großartigkeit zu beglückwünschen und ihn zu fragen, ob es für ihn OK war. Im Folgenden habe ich versucht ihn so gut es ging zu verstehen und mit ihm anzustossen. Ich glaube, es ging in etwa darum: Sie seien komplett müde und im Eimer, das wäre jetzt der zehnte Abend in Folge gewesen, an dem sie gespielt hätten und er sei ja immerhin schon 42 und so extrem habe er das auch noch nicht erlebt und es sei schon eine echte Strapaze, wenig Schlaf, die ganze Zeit nur Junkfood und ich meine er nannte mir auch eine Zahl, wie viel sie für die Tour bekommen, aber sie hätten ja auch nicht so viel Gepäck, deswegen ginge das schon irgendwie. Der ganze Hype im Moment sei lustig und er würde immer amüsiert lesen, was alle so schreiben und in welcher Schublade sie jetzt wieder landen. Dabei würden sie doch nur Musik machen und das schon seit vielen Jahren und es würde ihm nur um die Musik gehen und jedes Scheiß Genre sei doch nichts anderes als ein Knast, in dem man dann säße, zusammen mit seinen Fans, dabei sei Musik doch so wunderbar und grenzenlos. Er mache das schon seit den Achtzigern, damals mit einem Amiga und er habe schon immer so Zeug gemacht und er hätte das alles auf ein paar Festplatten. Er habe mal Experimente mit Tonbandschleifen gemacht. Der Track von ‚Donkey‚ sei einer von diesen alten Loops. Das würden sie ausbuddeln und dann einen Track daraus machen. Was soll das für ein Genre sein? Britpop? What the Fuck is Britpop? Er würde sich mit Jason zusammensetzen, dann gäbs ein Bier und dann machen sie die Tracks und das sei überhaupt das Lustigste, was man sich auf der Welt nur vorstellen kann und sie würden sich regelmässig über ihre Texte weglachen. Das meiste käme zwar von Jason, aber manchmal gäbe auch ein Wort das andere und dann hätte man es. Es klang, als berichtete er mir von einer sehr lustigen und kurzweiligen und heilsamen Beschäftigung – ich musste sofort an den Trialog denken. Es klang wie die Beschreibung sehr fruchtbarer persönlicher Interaktion und ich konnte sofort verstehen, warum er das macht. Jedenfalls würde er immer auf der Bühne so ernst und cool rumwippen und er sei sich nicht sicher, ob die Leute verstehen, wie lustig das Ganze eigentlich ist. Aber er hätte ja nichts zu tun und würde sich immer die Gesichter von den Leuten im Publikum ansehen und regelmässig, wenn die Refrains kommen, fangen alle an zu lächeln. Er hat mir dann ein paar Fotos von den lächelnden Fans auf seinem Smartphone gezeigt. Jedenfalls sei Deutschland super und viel liberaler als GB und das Bier natürlich und Jägermeister und alle seien total nett aber er sei auch müde und müsse jetzt Jason seinen Jägermeister bringen. Supernett, alles Gute, it was very nice to meet you Andrew and greetings to Jason.

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Schlomos Feuilleton #07

Eine Nachricht aus dem Jahre 1949

In der New York Times erschien am 20.05.2013 ein Artikel über ein bis vor kurzem verschollenes Essay Norbert Wieners, des Namensgebers der Kybernetik, in dem er das kommende Maschinenzeitalter beschrieb. Das Essay ist aus dem Jahr 1949, einer Zeit, in der von iPhones, Drohnen, Robotern und dem Internet weit und breit weder die geringste Spur zu sehen, noch zu erahnen war. Norbert Wiener scheint sich dennoch schon damals bewußt gewesen zu sein, dass die Theorien und Ideen, die man damals entwickelte, in der Tragweite ihrer Konsequenzen ein geistiges Äquivalent zur Atombombe darstellten und ungeahnte und grauenvolle Folgen haben könnten, wenn sich die Menschheit nicht besinnen würde. Seine fast 64 Jahre alte Prognose ist faszinierend zutreffend und seine Forderung nach menschlicher Ehrfurcht und Sorge um die inzwischen tagesaktuellen Entwicklungen ist für mich eine der zentralen Triebkräfte des Trialogs.

Weil ich diesen Text für essentiell halte, habe ich den gesamten New York Times Artikel ins Deutsche Übersetzt.

Schlomo im Mai 2013. Keine Angst und keine Schuld.

 


NYT 20.05.2013

1949 sah er bereits ein Zeitalter der Roboter voraus

Es war eine Vision, die niemals das Tageslicht erblickte.

Es war im Jahr 1949. Computer und Roboter waren größtenteils der Inhalt von Science Fiction. Nur einige weitsichtige Denker entwickelten Vorstellungen davon, dass sie eines Tages zentral für die menschliche Zivilisation werden würden, mit sowohl befreienden wie auch verheerenden Konsequenzen.

Einer dieser Visionäre war Norbert Wiener (1894-1964), ein amerikanischer Mathematiker am Massechusetts Institute of Technology. 1948 hatte er das Buch „Kybernetik“ [1] veröffentlicht, ein Meilenstein der theoretischen Arbeit, welches die Ankunft von Computern, Robotern und der Automatisierung vorausahnte und beeinflusste. Zwei Jahre später schrieb er „Mensch und Menschmaschine“ [2], eine Popularisierung dieser Ideen und eine Erforschung des Potentials der Automatisierung und der Gefahren der Entmenschlichung durch Maschinen.

1949 wurde Norbert Wiener von der New York Times eingeladen, seine Sicht zusammenzufassen „wie das ulimative Maschinenzeitalter wohl einmal aussehen möge“ [3], wie es der langjährige Redakteur Lester Markel formulierte.

Wiener nahm die Einladung an und schrieb einen Entwurf für einen Artikel. Der legendäre Autokrat Markel war unzufrieden und bat ihn, den Artikel neu zu schreiben, was er tat. Aber durch eine Folge ausgesprochen prä-vernetzter Unaufmerksamkeiten und verpasster Gelegenheiten wurde keine der beiden Versionen je veröffentlicht.

Im August, laut Wieners Aufzeichnungen, die sich in der Bibliothek des MIT befinden, bat die NYT ihn, seinen ersten Entwurf erneut zu schicken, so dass sie ihn mit der zweiten Fassung kombinieren könne. (Unklar ist, warum die Redakteure keine Kopie von der ersten Fassung mehr besassen.) Aber Norbert Wiener, der in Mexiko unterwegs war, antwortete:

„Ich hatte angenommen, dass das Geschäft mit der ersten Version meines Artikels abgeschlossen wäre. An meine Papiere in meinem Büro am MIT heranzukommen, würde erheblichen Schriftverkehr und Verstimmungen bei einigen Leuten beinhalten. Daher denke ich nicht, das dies praktikabel wäre. Ich denke, Unter diesen Umständen ist es das Beste für mich, wenn ich diese Angelegenheit abbreche.“

In der folgenden Woche schickte der NYT Redakteur die zweite Version des Essays an Wiener zurück und so fand es Eingang in den Archiven und ‚Special Collections‘ der Bibliothek am MIT. Dort lag es, bis es im Dezember 2012 von dem unabhängigen Wissenschaftler Anders Fernstedt, der die Arbeiten des Philosophen Karl Popper erforscht, wiederentdeckt wurde.

Fast 64 Jahre nachdem Wiener es schrieb ist dieses Essay noch immer bemerkenswert relevant und stellt Fragen nach den Auswirkungen der klugen Maschinen auf die Gesellschaft, auf die Automation und die menschliche Arbeit. Um ein altes Versäumnis wieder gutzumachen, hier einige Auszüge aus „Das Zeitalter der Maschinen“ [4] courtesy of the MIT Libraries (all rights reserved).

 

Stellen Sie sich einen Abakus vor

Inzwischen ist es der Öffentlichkeit bewußt, dass uns ein neues Zeitalter der Maschinen bevorsteht, das auf Rechenmaschinen basiert und nicht länger auf Kraftmaschinen. Es ist die Tendenz dieser neuen Maschinen, menschliche Entscheidungen auf allen, ausser einer ziemlich hohen, Ebenen zu ersetzen, anstatt menschliche Energie und Kraft durch maschinelle Energie und Kraft zu ersetzen. Es ist bereits klar, dass dieser neue Ersatz einen tiefgreifenden Einfluß auf unsere Leben haben wird, während es dem Mann auf der Straße noch nicht klar ist, welcherart dieser Einfluß sein wird. …

Um zu verstehen, was eine Rechenmaschine ist, lassen Sie uns mathematische Berechnungen auf einem Papier, einem Chinesischen … Abakus, einem Marchand oder Fridén Dezimalrechner für den Bürogebrauch und einer elektronischen Rechenmaschine vergleichen. Von diesen ist tatsächlich der Abakus am ältesten, allerdings ist dieser dem durchschnittlichen Menschen in der modernen westlichen Welt nicht allzu bekannt.

Lassen Sie uns beginnen mit einer gewöhnlichen Rechnung auf dem Papier. Dabei sind wir von bestimmten Kombinationen ins Gedächtnis eingeprägter Zahlen und Verfahrensregeln abhängig, die uns dazu in die Lage versetzen, die anstehende Rechnung mit den gerade aktuellen Zahlen durchzuführen. Die Multiplikationstabellen und die Regeln der elementaren Arithmetik repräsentieren etwas, das des menschlichen Eingriffs bedarf, um auf Papier durchgeführt zu werden. Doch diese menschlichen Eingriffe folgen bestimmten unmenschlich starren und erlernten Regeln.

Auf dem Abakus führen wir genau dieselbe Art von Eingriffen durch, wie beim Kombinieren von Zahlen auf dem Papier, doch in diesem Fall werden die Zahlen durch die Positionen von Bällen auf Drähten dargestellt, anstatt durch den Füller oder den Bleistiftstrich. Die Notation der Zahlen ist genauso beliebig wie bei einer gewöhnlichen Rechnung auf dem Papier, aber die Rechenoperationen haben eine mechanischere Erscheinung, da sie aus der körperlichen Bewegung bestimmter materieller Teile bestehen. Dennoch besteht nicht der geringste logische Unterschied zwischen der Rechnung mit einem Abakus und der auf einem Papier.

Drittens werden beim Schreibtisch-Rechner die selben Operationen durchgeführt wie auf dem Abakus mit Regeln, die nicht in all ihren Details im Gedächtnis behalten werden müssen, sondern welche der Maschine anvertraut werden und von ihren Eingriffen ausgeführt werden. Die Maschine ersetzt nicht echtes Denken, da die Ebene des Denkens elementarer Prozesse, wie wir sie auf dem Papier ausführen, die eines festgelegten Ablaufes ist. Der Schreibtisch-Rechner ist nicht mehr und nicht weniger als ein mechanisierter Abakus, in welcher unser Gedächtnis ersetzt ist durch bestimmte Verschaltungen in der Maschine.

Schließlich unterscheidet sich die elektronische Hochgeschwindigkeitsrechenmaschine von der Schreibtisch-Rechenmaschine nur in der Geschwindigkeit ihrer Operationen und der wesentlich höheren Verflechtung ihrer Verschaltungen. Darum wird aus einer Operation, die vorher Stunden gedauert hat, eine Sache von Sekunden.

 Arbeiter aus der Massenprodution

Bis jetzt haben wir von den Ähnlichkeiten zwischen der Rechenmaschine und dem menschlichen Nervensystem gesprochen, anstatt von der Ähnlichkeit zum gesamten menschlichen Organismus. Maschinen von größerer Ähnlichkeit zum menschlichen Organismus sind wohl verstanden und sind kurz davor, gebaut zu werden. Sie werden ganze industrielle Prozesse kontrollieren und werden sogar Fabriken ohne nennenswerte Belegschaft ermöglichen.

In diesen werden ultraschnelle digitale Rechenmaschinen durch Apparaturen ergänzt, welche die Werte von Messgeräten, Thermometern oder Photozellen aufnehmen und sie in eine digitale Eingabe für die Maschine übersetzen. Dieser neue Verbund wird ebenfalls Effektoren enthalten, welche die numerische Ausgabe der zentralen Rechenmaschine in Rotationen von Achsen, die Abgabe von Chemikalien in Tanks, das Heizen eines Boilers oder einen anderen Prozess dieser Art übersetzen.

Darüberhinaus wird die tatsächliche Ausführung dieser Effektor-Organe ebenso wie ihre gewünschte Ausführung, von geeigneten Messgeräten gelesen und als Teil der Informationen, mit denen sie arbeitet, in die Maschine zurückgeführt.

Der generelle Umriss des Prozesses, der ausgeführt werden soll, wird davon bestimmt, was der Rechen-Ingenieur ‚Taping‘ nennt, welches die Reihenfolge der auszuführenden Prozesse festsetzt und bestimmt. Die Möglichkeit zu lernen könnte dadurch eingebaut werden, indem man erlaubt, dass das ‚Taping‘ durch die Ausführungen der Maschine und die eingehenden externen Impulse auf neue Art aufgebaut wird, statt es vorher in einem rigiden und geschlossenen Aufbau festzulegen, der dem Apparat am Anfang übergestülpt wird.

Die Einschränkungen einer solchen Maschine sind schlicht die des Verstehens der zu erreichenden Ziele, die Möglichkeiten jeder Stufe des Prozesses, mit denen sie erreicht werden sollen und unser Vermögen, logisch festgelegte Kombinationen solcher Prozesse anzufertigen, um unsere Ziele zu erreichen. Grob gesagt, wenn wir etwas in einer klaren und verständlichen Art und Weise tun können, können wir es auch mit einer Maschine tun.

Wo die ökonomischen Grenzen liegen werden – nämlich, wie wir bestimmen können, wann es wünschenswert ist, eine Maschine statt eines menschlichen Effektors einzusetzen -, können wir nicht eindeutig festsetzen, bis wir mehr Erfahrung damit haben. Es ist allerdings ziemlich klar, dass abgesehen vom ‚Taping‘, welches eher die Arbeit für einen intelligenten Menschen als einen geschickten Menschen ist, der Apparat, von dem wir im zukünftigen Maschinenzeitalter abhängig sein werden, größtenteils reproduzierbar und dafür geeignet sein wird, durch die Methoden der Massenproduktion hergestellt zu werden.

Der Geist und die Flasche

Diese neuen Maschinen haben eine immense Kapazität, die Grundlagen unserer gegenwärtigen Industrie zu erschüttern und den ökonomischen Wert des normalen Fabrikarbeiters bis zu einem Punkt zu reduzieren, an welchem er es nicht mehr Wert ist, für irgendeinen Preis eingestellt zu werden. Wenn wir unser Maschinenpotential einer Fabrik mit der Bewertung von Menschen verbinden, worauf unser gegenwärtiges Fabriksystem basiert, haben wir eine industrielle Revolution unverminderter Härte zu erwarten.

Wir müssen willens sein, uns mit Fakten statt mit modischen Ideologien zu beschäftigen, wenn wir diese Periode unbeschadet überstehen wollen. Nicht einmal das leuchtentste Bild eines Zeitalters, in dem der Mensch der Meister ist und in der wir alle Zugang zu mechanischen  Diensten haben werden, kann die Qualen dieses Überganges aufwiegen, wenn wir nicht sowohl menschlich als auch intelligent sind.

Schließlich werden die Maschinen alles tun, was wir von ihnen verlangen und nicht, was wir von ihnen verlangen sollten. In der Diskussion über das Verhältnis des Menschen zu den von Menschen kontrollierten gewaltigen Kräften hat die gnomische Weisheit der Volkslegenden einen Wert, der weit über die Bücher der Soziologen hinausgeht.

Es gibt eine generelle Übereinstimmung unter den Sagen der Völker vergangener Zeiten, dass es wahrscheinlicher ist, dass wir die unserem Willen übertragene Macht eher falsch als richtig benutzen, dass es wahrscheinlicher ist, dass wir sie dumm verwenden statt intelligent. [W. W. Jacobs’s] schreckliche Geschichte „Die Affenpfote“ ist ein modernes Beispiel hierfür. Der Vater wünscht sich Geld und bekommt es als Entschädigung für den Tod seines Sohnes bei einem Fabrikunfall. Dann wünscht er sich, dass sein Sohn zurückkomme. Der Sohn kehrt als Geist zurück und der Vater wünscht sich, dass er wieder verschwinden möge. Das ist das Ergebnis seiner drei Wünsche.

Wenn wir uns darüber hinaus weiter in die Richtung bewegen, lernende Maschinen zu bauen, deren Verhalten von ihrer Erfahrung modifiziert wird, müssen wir uns darauf gefasst machen, dass jeder Grad der Unabhängigkeit, den wir den Maschinen geben, ein Grad möglicher Mißachtung unserer Wünsche ist. Der Geist aus der Flasche wird weder in die Flasche zurück wollen noch haben wir irgendeinen Grund zu erwarten, dass er uns freundlich gesonnen ist.

Kurz, es ist nur die Menschheit, die zur Ehrfurcht fähig ist und nur sie ist es, die dazu in der Lage sein wird, die neuen Potentiale zu kontrollieren, die sich uns eröffnen. Wir können demütig sein und ein gutes Leben mit Hilfe der Maschinen führen, oder wir können arrogant sein – und sterben.

 

[1] Cybernetics, or control and communication in the animal and the machine
[2] The human use of human beings. Cybernetics and Society.
[3] “what the ultimate machine age is likely to be” im Original
[4] “The Machine Age” – Originaltitel des Essays

Artikel © New York Times
Essay © M.I.T
Übersetzung ©2013 Schlomo

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Schlomos Feuilleton #06

PROPAGANDA – Eine Filmkritik

Worum geht’s? Im malerischen Städtchen Christchurch, Neuseeland, lebt der Türsteher Slavko Martinov. Er ist ein Künstler im Geheimen und montiert in seiner Freizeit acht Jahre lang einen bemerkenswerten Film zusammen: Eine breitbändige dokumentarische Analyse der westlichen Industrienationen, ihrer Ideologie und ihrer jüngeren Geschichte. Aus künstlerischen Erwägungen versteckt er diese Analyse jedoch in einem fiktionalen Rahmen. Vordergründig handelt es sich bei diesem Film nämlich um einen Nordkoreanischen Propagandafilm über die westliche Hemisphäre, über den imperialistischen Feind.

In diesem Nordkoreanischen Propagandafilm, der optisch den gängigen Vorstellungen  von Nordkoreanischem Propaganda-Design entspricht, und so durchgehend mit koranischen Schriftzeichen und Tafeln durchwebt ist, tritt ein Nordkoreanischer Psychologe auf, der in einer Art Interviewsituation den Westen und seine Geschichte analysiert. Während wir dem Wissenschaftler beim erzählen lauschen, werden wir mit den hässlichen Bildern unserer Kultur konfrontiert: Shopping, Konsum, Krieg, Kapitalismus, Propaganda durch TV, gehirngewaschene Bevölkerungen, Werbung, die oberen 1%, die katholische Kirche, Celebrities, werden in einer aberwitzigen Geschwindigkeit und in einer sehr gekonnt manipulativen Montage von Pressebildern, News-Schnipseln, Fotografien, im weitesten Sinne ‚historischen Dokumenten‘, zu hochemotionalen, faszinierend/beängstigenden und eben deshalb propagandistischen Bilderbögen. Aber dann kommt, und spätestens jetzt fragt man sich, was will dieser Film?, die Zionistische Weltverschwörung und die Juden als die neuen Nazis. Zum Schluss werden noch fünf Minuten die Nordkoreanische Stärke zelebriert, als einzige Nation, die diesem Wahnsinn trotzt.

Das muss man erst mal sacken lassen, denn es ist formal bildgewaltig, streckenweise abstoßend, faszinierend und gleichzeitig immer unterhaltend inszeniert. Ein technisch sehr gut gemachter und sehr clever montierter Film. Aber er hinterlässt nur Fragen. Denn durch die Ambivalenz der verschiedenen Perspektiven ist absolut nicht mehr klar, was uns dieser Film eigentlich sagen will. Ist es eine Kapitalismuskritik? Oder ist es eine Rechtfertigung des Kapitalismus, weil es sich beim Dargestellten um eine kommunistisch/propagandistisch verzerrte Sicht auf den Westen handelt?

Wenn man nach der Motivation des Filmemachers fragt, wenn er in Wirklichkeit aus dem christlichen Westen stammt, sein Hauptdarsteller ein Südkoreanischer Katholik ist und er auf seine Website ‚Support Democracy‘ schreibt, dann möchte man ihm unterstellen, dass es ihm – wie jedem von uns – um die Wahrheit, um die Aufklärung der Menschen geht, um Dinge wie Freiheit, Demokratie, Frieden, Gerechtigkeit. Der Film aber stellt klar, dass diese Worte nur Slogans sind, und absolut nichts zu bedeuten haben. Und zwar – und das ist der Punkt – genau da, wo der Filmemacher kulturell zu hause ist. Der Film beraubt sich dadurch jeglicher Aussage. Das ist zwar künstlerisch brillant aber in seiner Konsequenzlosigkeit fatalistisch.

Am Ende steht das, was des künstlerischen Werkes Zweck in unserem Teil der Welt ist, nämlich die Verwertung via Internet, Klicks, Medienhype, Downloads, DVDs, also letztendlich – ich leg‘ auch noch was drauf – menschlicher Aufmerksamkeit. Schade ist, dass dies so normal ist. Subversiv ist, dass dieser Film sämtliche Systemkritik als bedeutungslose Propaganda markiert und auf diese Weise implizit eine systemkonforme und fatalistische Beliebigkeit des eigenen Standpunktes propagiert.

Eugene Chang ist jetzt ein Celebrity.

 

Propaganda, Neuseeland 2012, Buch und Regie Slavko Martinov, mit Eugene Chang, Mockumentary, Laufzeit 95 Minuten

Propaganda in der IMDB

Spiegel Online Artikel

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Schlomos Feuilleton #05

Alle sind Kybernetiker

Auszug aus einem Interview mit Heinz von Foerster, geführt von Christina Waters in Santa Cruz, Kalifornien, 1999. Übersetzt von Schlomo.

[…]

Christina Waters: Warum ist die Kybernetik nicht zu einem Mainstream-Unternehmen geworden? Warum wissen nicht alle Menschen […], was Kybernetik ist?

Heinz von Foerster: Aber sehen Sie, sie ist es doch! Kybernetik ist in jedem zweiten Wort. Wenn Sie die Zeitung [sic] öffnen, dann ist da Cyberspace, Cybersex, Cyberdies und Cyberdas. Alles ist kybernetisiert.

CW: Aber das ist nicht Kybernetik. [Wir lachen beide]

HvF: Nein, aber „cyber“ ist da. Nehmen sie einen Ausdruck wie „Feedback“. Jeder weiß, was Feedback ist. Das hat die Kybernetik vollbracht. Solche Dinge. Ich denke die Kybernetik verbindet untergründig. Sie ist implizit. Untergründig ist sie vollkommen lebendig, nur nicht explizit.
In manchen Fällen, finde ich, ist es wichtiger, dass etwas implizit agiert, statt explizit, weil das Implizite viel mehr Macht hat.

CW: Also denken Sie, dass sie auf eine Art den intellektuellen Mainstream infiltriert hat?

HvF: Absolut! Niemand kann reden, ohne dass wenigstens die Anwesenheit der Kybernetik operational ist. Die Anwesenheit dieser Idee ist absolut lebendig, es wird nur nicht explizit ein Bezug zu ihr hergestellt. Ich finde es sehr mächtig, dass sie im Untergrund ist. Weil die Leute sich dessen nicht bewußt sind – und sie daher nicht ablehnen.

[Wir lachen]

CW: Sie ist in den Untergrund gegangen und wir benutzen sie, ob wir das nun wissen, oder nicht.

HvF: Ja, genau.

CW: Wer treibt die Kybernetik heutzutage voran?

HvF: All die Internetleute, alle heutigen Computerleute. Sie sind alle Kybernetiker, ob sie das nun mögen, oder nicht.

[…]

Das gesamte Interview kann man hier lesen:
http://www.univie.ac.at/constructivism/HvF/festschrift/waters.html

Heinz von Foerster selbst hat nie einen Computer besessen.

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Schlomos Feuilleton #04

Die Landkarte ist nicht die Landschaft

Transparenz

Einer dieser Begriffe…: „Transparenz“. Was ist das eigentlich? Im allgemeinen werden Dinge als transparent bezeichnet, durch die man hindurchsehen kann, die man aber dennoch sieht, wie zum Beispiel ein Negligé, oder ein Lampenschirm, der vielleicht sogar nur durchscheinend ist. Eine Sonnenbrille ist transparent, oder ein Farbfilter vor einer Kamera. Transparenter ist natürlich Glas. Man sieht es kaum, wenn man hindurch sieht. Wasser ist zu einem gewissen Grade transparent, wenn es aus der Leitung kommt und nicht zum Beispiel aus der Elbe.  Noch transparenter ist natürlich Luft und dann Vakuum erst. Am allerallertransparentesten ist aber das Nichts. Nichts ist so transparent, dass es einem den Blick nicht verstellen kann.

Den Blick auf was?

Der Trend zur persönlichen Transparenz ist ungebrochen. Niemals zuvor war es so leicht, über jeden einzelnen etwas bekannt zu machen. Empirisch werden wir vermessen, und die Daten in Datenbanken abgelegt. Diese Daten kann man vielfach und nützlich verwenden. Es ist bequemer, wenn ich nicht in eine Bibliothek gehen muss, sondern jedes Buch der Welt jederzeit im Internet lesen, und wenn nicht dort dann mit einem Klick bestellen kann. Es ist praktisch, wenn mein Arzt weiß, wie mein Blutdruck zu jeder Zeit ist. Es ist einfacher, wenn ich mich nicht umständlich legitimieren muss, sondern einfach nur eine Nummer irgendwo eintippe, die mit meinen Daten verknüpft ist, die irgendwo am anderen Ende des Kabels abgelegt sind.  Es bedeutet, dass jeder, bei dem man vorspricht, glaubt, bereits zu wissen, wer man ist. Bevor auch nur ein Wort gesprochen ist.

Mehr Transparenz!

Der Schrei nach mehr Transparenz ist dem Irrtum geschuldet, man könnte in den Daten irgendetwas erkennen, was vorher nicht da war, oder im Verborgenen lag, oder gar verheimlicht wurde. Wir stellen uns also vor, jeder könnte alles über jeden wissen. Es gäbe kein Geheimnis mehr. Wie würde das gehen? Wie würde dies dann in einer konkreten Wirklichkeit aussehen? Man würde nicht mehr den Menschen betrachten, sondern auf einem Gerät nachschauen, weil auf jenem die unbezweifelbare Wahrheit über den Gegenüber stünde und nicht in Form von unbezweifelbar lebendiger Materie und zweifelhafter Persönlichkeit. Die Person wäre transparent. Es wäre nichts mehr von ihr übrig, was einem den Blick auf ihr wahrhaftigeres, maschinelles Abbild verstellen könnte.

Die Landkarte ist nicht die Landschaft

Der Schrei nach mehr Transparenz dient der maschinellen Repräsentation und Kontrolle der Welt. Sie entsteht aus dem Glauben, man könnte alles wissen und dann jedes Problem technisch lösen und wenn man es nur lange genug macht, sich am Ende sogar selbst erlösen. Auf dem Weg dorthin übersehen diese Anhänger der Zahl, dass sie immer transparenter werden und sich am Ende in Nichts auflösen. Erlösen, Auflösen, Endlösen. Der Glaube an die Wahrheit in der Maschine ist eine gefährliche Illusion.

Keine Angst und keine Schuld

 

Links:

„Are You Looking At Too Many Infographics?“ – Marco Bagnis Arbeit „Getting Lost“

„Transparent ist nur das Tote“ – Byung-Chul Han in „Die Zeit“

„The Man with the X-Ray Eyes“ –  Roger Corman, 1963

„Erstmals in der Geschichte der Menschheit sei die berechenbare digitale Persönlichkeit eines Menschen relevanter als seine reale Persönlichkeit.“  – Spiegel Online, 19.07.2013

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